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Karriere & Führung

Das Zen des Presales: japanische Techniken für deinen Erfolg

Japanische Ideen wie Kaizen, Shuhari, Ikigai und Nemawashi, angewendet auf den Presales-Alltag.

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Presales-Profis müssen wendig und anpassungsfähig sein. Und sie suchen immer nach Wegen, eine echte Verbindung zu Interessenten aufzubauen. Alte japanische Techniken stehen für Disziplin, Achtsamkeit und einen ausgewogenen Blick. Daraus kannst du im Presales viel lernen. Hier sind einige dieser Techniken und was sie im Presales bringen.

Kaizen: Die Philosophie der ständigen Verbesserung

Was es ist: Kaizen bedeutet „Veränderung zum Besseren". Die japanische Philosophie setzt auf ständige Verbesserung in kleinen Schritten. Unternehmen nutzen sie, um Prozesse und Effizienz Schritt für Schritt zu verbessern.

Was es im Presales bedeutet: Im Presales erinnert uns Kaizen daran, unsere Abläufe immer weiter zu verfeinern. Vielleicht verbesserst du, wie du Demos hältst, oder schärfst deine Discovery-Methoden. Warte nicht auf den großen Umbruch. Konzentrier dich lieber auf kleine, stetige Verbesserungen in jedem Teil deiner Arbeit. Du kannst zum Beispiel aus jeder Demo lernen oder das Feedback aus Umfragen nach Meetings auswerten.

Praxistipp: Nimm dir nach jeder Demo und jedem Kundentermin fünf Minuten Zeit. Was lief gut, was geht besser? Schon kleine Anpassungen zahlen sich langfristig deutlich aus. Etwa wenn du die Antwort auf eine häufige Frage schärfst.

Shuhari: Meisterschaft in Lernstufen

Was es ist: Shuhari ist ein japanisches Konzept, das die Stufen des Lernens beschreibt:

  • Shu (守): Befolge die Regeln.
  • Ha (破): Brich die Regeln, wenn du sie beherrschst.
  • Ri (離): Wachse über die Regeln hinaus und schaffe Neues.

Was es im Presales bedeutet: Presales-Profis durchlaufen einen ähnlichen Lernweg. Am Anfang lernst du, dich ans Skript zu halten, Demo-Techniken zu beherrschen und Discoveries nach Standard-Frameworks zu führen. Mit der Zeit lernst du, diese Techniken an unterschiedliche Kunden anzupassen. Irgendwann erreichst du eine Stufe, auf der du Neues schaffst. Du entwickelst eigene Methoden, die zu deinem Stil und zu den Problemen jedes Interessenten passen.

Praxistipp: Frag dich: Auf welcher Shuhari-Stufe stehe ich? Lernst du noch die Grundlagen, oder ist es Zeit, dich zu lösen und deinen eigenen Ansatz zu finden? Wenn du deine Stufe kennst, weißt du, woran du arbeiten solltest.

Mushin: Der leere Geist

Was es ist: Mushin, der „Nicht-Geist", ist ein Zustand, in dem du ganz im Moment und konzentriert bist. Keine Ablenkung und kein Vorurteil trübt dein Urteil. Das Konzept stammt aus dem Zen und den Kampfkünsten. Es geht um die Fähigkeit, in jeder Situation natürlich und frei zu reagieren.

Was es im Presales bedeutet: Mushin hilft dir in wichtigen Kundenmomenten wie Demos und Discoveries. Wenn du ganz präsent bist, hörst du die Sorgen des Kunden besser. Du achtest auf Körpersprache, auch virtuell, und passt deine Präsentation spontan an. Mit Mushin gehst du gelassener mit unerwarteten Fragen oder Einwänden um.

Praxistipp: Nimm dir vor einer wichtigen Demo oder einem Meeting ein paar Minuten, um den Kopf freizubekommen. Konzentrier dich auf deinen Atem. Lass Nervosität und Vorannahmen los und geh mit klarem, offenem Kopf ins Meeting. So bleibst du beweglich und bist bereit für alles, was der Kunde dir entgegenwirft.

Ikigai: Sinn in deiner Rolle finden

Was es ist:

Ikigai ist ein japanisches Konzept und bedeutet „Grund zu sein". Es ist die Schnittmenge aus dem, was du liebst und was du gut kannst. Dazu kommt, was die Welt braucht und wofür du bezahlt wirst.

Was es im Presales bedeutet:

Wenn du im Presales dein Ikigai findest, bleibst du motiviert, gerade in harten Verkaufszyklen. Zu deiner Rolle gehört mehr als Verkaufen. Du löst echte Probleme deiner Kunden, baust langfristige Beziehungen auf und trägst zu ihrem Erfolg bei. Passen deine Handlungen zu deiner Leidenschaft, deinem Können und deinem Sinn, bist du erfüllter. Und du lieferst bessere Ergebnisse.

Praxistipp:

Überleg, welche Teile deiner Rolle dir am meisten Freude machen. Ist es die technische Herausforderung der Discovery (Bedarfsklärung)? Der Reiz einer Live-Demo? Wenn deine täglichen Aufgaben zu deinem Ikigai passen, bleibst du energiegeladen und motiviert.

Wabi-Sabi: Unvollkommenheit annehmen

Was es ist:

Wabi-Sabi ist eine japanische Ästhetik. Sie sieht Schönheit im Unvollkommenen, im Vergänglichen und im Unfertigen. Sie lehrt, dass Makel und Fehler ganz natürlich zum Leben gehören und dass es sich lohnt, sie anzunehmen.

Was es im Presales bedeutet:

Keine Demo, keine Präsentation und kein Verkaufszyklus ist perfekt. Wabi-Sabi erinnert uns daran, dass es okay ist, wenn nicht alles nach Plan läuft. Entscheidend ist, wie wir mit den Unvollkommenheiten umgehen. Vielleicht gibt es in der Demo eine technische Panne. Oder ein Kunde stellt eine Frage, mit der du nicht gerechnet hast. Wichtig ist, das anzunehmen und dich gelassen anzupassen.

Praxistipp:

Wenn etwas nicht nach Plan läuft, stress dich nicht. Nimm dir einen Moment und nimm die Situation an. Geh Probleme ruhig an und nutze sie, um zu zeigen, wie gut du Probleme löst. Kunden schätzen Echtheit und Flexibilität oft mehr als eine glatte, aber unpersönliche Präsentation.

Nemawashi: Vorab Konsens schaffen

Was es ist: Nemawashi heißt, eine Entscheidung vorzubereiten, indem du vorher mit allen Stakeholdern (Beteiligten) sprichst. In Japan nutzt man diese Methode oft, damit Entscheidungen reibungslos fallen. Alle Betroffenen werden früh eingebunden.

Was es im Presales bedeutet: Im Presales ist Nemawashi besonders wichtig, wenn mehrere Stakeholder an der Kaufentscheidung beteiligt sind. Warte nicht auf die offizielle Demo oder das Meeting. Bau vorher Beziehungen zu den wichtigen Entscheidern und Beeinflussern auf. Sammle ihre Bedenken und versteh ihre Sichtweisen. Sorg dafür, dass sie hinter der vorgeschlagenen Lösung stehen, bevor die offizielle Präsentation kommt.

Praxistipp: Finde vor einer großen Demo oder einem Angebot die internen Champions (öffnet in neuem Tab) (Fürsprecher beim Kunden) und Beeinflusser beim Kunden. Sprich einzeln mit ihnen und geh auf ihre konkreten Bedenken und Fragen ein. Wenn das offizielle Meeting stattfindet, hast du den Konsens schon geschaffen und die Freigabe vorbereitet.

Hansei: Selbstreflexion und Verantwortung

Was es ist: Hansei ist eine Praxis der Selbstreflexion und Verantwortung. Einzelne und Teams denken damit über ihr Handeln und ihre Leistung nach und finden heraus, wo sie besser werden können. Es geht darum, zu Fehlern zu stehen und sich vorzunehmen, es künftig besser zu machen.

Was es im Presales bedeutet: Presales-Profis können Hansei nach jeder Demo, jeder Präsentation und jedem Kundenkontakt anwenden. Überleg, was gut lief, was nicht und was du beim nächsten Mal besser machst. Lerne aus jedem Fehler. Diese Gewohnheit treibt Verbesserung und persönliche Verantwortung voran.

Praxistipp: Plane nach jedem Kundenkontakt eine kurze „Hansei-Runde" mit deinem Team. Fragt euch: Was hätten wir besser machen können? Wie vermeiden wir solche Probleme künftig? Nutze diese Überlegungen für konkrete Verbesserungen an Demo-Techniken, Präsentationen oder deiner Art, mit Kunden zu arbeiten.

Kanban: Arbeitsabläufe sichtbar machen

Was es ist: Kanban ist ein visuelles Projektmanagement-System. Toyota hat es ursprünglich entwickelt, um Arbeitsabläufe zu vereinfachen. Es hilft Teams, Aufgaben sichtbar zu machen, die Arbeitslast zu steuern und den Arbeitsfluss durch jede Prozessphase zu verbessern.

Was es im Presales bedeutet: Im Presales können dich viele parallele Chancen, Demos und Kundentermine schnell überfordern. Auf einem Kanban-Board siehst du, wo jeder Deal (Verkaufsprojekt) und jeder Kundenkontakt steht. Du kannst priorisieren, und nichts fällt durchs Raster. Besonders nützlich ist das, um Follow-ups (Nachfassen) nach Demos nachzuhalten.

Praxistipp: Leg ein Kanban-Board an, auf dem du den Stand aller laufenden Presales-Aktivitäten verfolgst. Mach Spalten für Phasen wie Discovery, Demo-Vorbereitung, Demo gehalten, Follow-up und Abschluss. So bleiben du und dein Team organisiert und bringen Deals zügig voran.

Kintsugi: Makel annehmen und hervorheben

Was es ist: Kintsugi ist die Kunst, zerbrochene Keramik mit Gold zu reparieren. Das reparierte Stück wird dadurch schöner als vorher. Diese Philosophie nimmt Unvollkommenheit an und macht aus Makeln Stärken.

Was es im Presales bedeutet: Im Presales wirken Fehler oder Grenzen des Produkts wie Schwächen. Kintsugi lehrt uns aber, offen mit diesen Grenzen umzugehen und daraus Vertrauen zu machen. Versteck Schwächen nicht. Sprich sie an und erklär, wie dein Team oder dein Produkt sie ausgleicht, etwa mit starkem Support oder alternativen Lösungen.

Praxistipp: Zeigt eine Demo oder Präsentation eine Grenze des Produkts? Dann zeig, wie du anderen Kunden bei ähnlichen Problemen geholfen hast. Oder biete zusätzliche Services und Lösungen an, die diese Schwäche abfangen. Das schafft Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

Jidoka: Automatisierung mit menschlicher Aufsicht

Was es ist: Jidoka ist ein Konzept aus der Fertigung. Es setzt auf Automatisierung unter menschlicher Aufsicht. Maschinen erledigen die Routine. Menschen braucht es aber, um Ausnahmen zu behandeln und die Qualität zu sichern.

Was es im Presales bedeutet: Automatisierung kann Teile des Presales-Prozesses vereinfachen. Beispiele sind automatische Follow-up-Mails, Terminplanung für Demos und Demo-Automatisierung. Für komplexe Kundenbedürfnisse braucht es aber weiter den Menschen. Halte die Balance zwischen Automatisierung und persönlichen, durchdachten Gesprächen. Deine Kunden sollen sich als Menschen behandelt fühlen.

Praxistipp: Nutze Automatisierungstools für einfache Aufgaben: Standard-Demos, Terminplanung, Erinnerungsmails und Ähnliches. Sei aber bereit, persönlich einzuspringen, wenn ein Kunde besondere Aufmerksamkeit braucht. Melde dich zum Beispiel nach einer wichtigen Demo selbst, um konkrete Fragen zu klären, die kein Automatismus beantworten kann.

Hoshin Kanri: Strategie und Umsetzung in Einklang bringen

Was es ist: Hoshin Kanri ist eine Methode der strategischen Planung. Sie richtet die Ziele aller Abteilungen an den Gesamtzielen des Unternehmens aus. So trägt jede Handlung auf jeder Ebene zu den wichtigsten Zielen des Unternehmens bei.

Was es im Presales bedeutet: Im Presales musst du deine Aktivitäten an zwei Dingen ausrichten. Das sind die strategischen Ziele deines Unternehmens und der Bedarf des Kunden. Vielleicht bereitest du eine Demo vor, führst eine Discovery oder fasst bei einem Lead (Kontakt mit Kaufinteresse) nach. Egal was du tust, es sollte zu den übergeordneten Geschäftszielen und den Ergebnissen des Kunden passen.

Praxistipp: Frag dich vor jedem Kundentermin: Wie hilft dieses Gespräch dem Kunden, seine strategischen Ziele zu erreichen? Richte Präsentation und Demo an der Vision und dem langfristigen Erfolg des Kunden aus.

Gemba: Geh an die Quelle

Was es ist: Gemba bedeutet „der tatsächliche Ort". Im Geschäftsleben heißt das, dorthin zu gehen, wo die Arbeit passiert: in die Fabrikhalle, ins Büro oder zum Kunden. Es geht darum, Prozesse aus erster Hand zu beobachten und zu verstehen.

Was es im Presales bedeutet: Um wirklich zu verstehen, was dein Kunde braucht, reichen Dokumente und E-Mails nicht. Nimm dir Zeit, seine Abläufe zu beobachten. Sprich direkt mit den Endanwendern und tauche in ihr Umfeld ein. So sammelst du Erkenntnisse, mit denen du eine passendere und wirksamere Lösung entwickelst.

Praxistipp: Besuch den Kunden vor Ort, wenn es geht, oder mach ausführliche virtuelle Sessions. So verstehst du seine Probleme aus erster Hand. Dann kannst du Demo und Lösung genauer zuschneiden und die Pain Points (konkrete Probleme) angehen, die er wirklich hat.

Fazit: Japanische Techniken für einen besseren Presales-Prozess

Die alten japanischen Philosophien Kaizen, Shuhari, Mushin, Ikigai und Wabi-Sabi helfen Presales-Profis auf mehreren Wegen. Du schärfst deinen Ansatz, bleibst fokussiert und baust tiefere Kundenbeziehungen auf. Wenn du dich ständig verbesserst, präsent bleibst, Sinn findest und Unvollkommenheit annimmst, wirst du besser. Und du findest mehr Zufriedenheit in deiner Rolle.

Nemawashi, Hansei, Kanban, Kintsugi, Jidoka, Hoshin Kanri und Gemba liefern weitere Anregungen für alle, die im Presales besser werden wollen. Wenn du diese Konzepte in deinen Arbeitsalltag einbaust, werden deine Abläufe effizienter und deine Kundenbeziehungen stärker. Außerdem wirst du für deine Kunden zum vertrauenswürdigen Berater.

Warum das zählt: Diese japanischen Techniken helfen dir, Vertrauen aufzubauen und effizient zu bleiben. Und sie zeigen, dass du die Probleme deiner Kunden wirklich verstehen und lösen willst. Wenn du diese Philosophien lebst, verbesserst du deinen Prozess. Du erhöhst auch deine Chancen, langfristig treue Kunden zu gewinnen.

Wenn du mehr über Presales lernen willst, schau auf www.presales-handbook.com (öffnet in neuem Tab) vorbei. Hol dir das PreSales Handbook (öffnet in neuem Tab) oder mach den PreSales Mastery Course (öffnet in neuem Tab).

Dr. Johannes Hangl mit dem PreSales Handbook

Über den Autor

Dr. Johannes Hangl

Presales-Leader mit über zehn Jahren in B2B-Software. Ich schreibe darüber, was in echten Deals funktioniert: Discovery, Demos und die menschliche Seite im Vertrieb.

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